94798
TodayToday78
YeserdayYeserday145
This WeekThis Week816
This MonthThis Month2803
All DaysAll Days94798
Start Haltung Fohlengeburt

PostHeaderIconFohlengeburt

Allgemein - Haltung

Die Geburt von Dark Pearl auf dem Friesengestüt Black Pearl

Wie oft sind Sie nachts schon aufgestanden, schnell in die bereitgelegte Stallmontur gesprungen und haben ausser Atem vorsichtig über die Stalltüre geschaut: Ist es schon da? Kommt es gerade? ...

Ein freundlicher Schnaufer der Stute für den nächtlichen Besuch war die Entschädigung – und wieder ab ins Bett ...

Wer es schon mal mitgemacht hat, weiss dass das tagelang so gehen kann und einem allen Schlaf raubt!

Wie gut also, dass es Funkübertragung bei Überwachungskameras gibt, die sogar mit Ton alle Bewegungen der hochtragenden Stute ins Schlafzimmer tragen!

Damit die Stute ungestört im Dunkeln abfohlen kann sind Infrarot Dioden und ein Weitwinkelobjektiv eine perfekte Lösung.

 

Ein Abfohlkalender muss her. Der 335. Tag nach der Ovulation, dem Eisprung ist der rechnerische Abfohltag. Bereithalten sollte man sich jedoch schon ab dem 320. bis zum 350. Tag. Und manche Fohlen lassen sich sogar bis zu 12 ! Monaten Zeit. Also keine Panik!

Die Vorbereitungen auf dem Friesengestüt Black Pearl sind getroffen. In 2010 werden 10 Fohlen aus prädikatsträchtigen Blutlinien erwartet. Die Mütter -  alles Ster- und Modelstuten -  laufen in Herden- und Offenstallhaltung. Bereits 1 Woche nach der Geburt sind die Fohlenstuten wieder in der Herde integriert. Somit gibt es keine neue Rangordnungskämpfe und nach der ersten Neugier der anderen Stuten geht das Herdenleben wieder seinen gewohnten Gang.

Die Jungstute Pearl ist heute Nacht offensichtlich dran.

Harztropfen – das Praekolostrum - hängen schon seit Tagen an dem dicken Euter und die Innenseiten der Schenkel sind von der angetrockneten Milch klebrig.

Wenn man die Stute von hinten betrachtet, fallen die abgesunkenen Stellen der Beckenbänder auf. Dann steht die Geburt meist wenige Stunden bevor ...

Eine komplette Wäsche mit warmen Wasser und kräftiger Massage steigert das Wohlgefühl und entspannt die Stute. Ja, rubbeln Sie die Schwangere ruhig feste trocken...besonders wichtig ist die Nierengegend.

Der Futterwagen dient als Ablage für alle ggf. notwendigen Hilfsmittel: saugfähige Leinentücher, Handtücher und kleinere Lappen, Eimer, Schere, Messer, Mullbinden, Desinfektionsmittel, sterile weiche Geburtsstricke, Milchsaugpumpe (manuell) und verschraubbare Gläser für Cholestralmilch-Reserven die als Sicherheit für folgende Geburten mit Saugproblemen dienen und dem Neugeborenen den Start ins Leben geben können. Dann ein vom Tierarzt zu beschaffendes Nachgeburts-Lösungsmittel (Injektion unter die Haut), ein Infusions-Set mit mind. 10 Litern Kochsalz-Lösung, Plocher-Ergänzungsfuttermittel und Bodenhygiene und das vielverwendbare EM (Mikroorganismen – siehe Artikel der vorigen Ausgabe).

Ein Eimer mit kaltem Wasser – für einen Nackenguss bei Atemproblemen und einen Eimer warmes Wasser oder Tee für die Stute nach der Geburt.

Pearl’s Schweif ist mit einem Leintuchstreifen eingeflochten und nach oben gebunden damit er bei der Geburt nicht stört. Der After, Schweifrübe und die Scheide sind gesäubert und die Scheidenränder mit Melkfett geschmeidig gehalten.

Die Scheidenschleimhaut ist nun gut durchblutet, elastisch und schlüpfrig geworden.

Das Euter ist auch zwischen den Zitzen ausgewischt. Pearl ist dort sehr kitzelig und wir haben Tage vorher das Reinigen der Hautfalte geübt.

Die Zitzen stehen nun glänzend nach aussen und das prallelastisch gefüllte Euter fühlt sich heiss an.

Pearl bekommt noch einen Eimer mit warmen EM angeboten den sie gierig austrinkt.

 

Die meisten Fohlen auf dem FPS Friesengestüt kamen bisher zwischen 20.00 und 24.00 Uhr bzw. zwischen 5 und 6 Uhr zur Welt.

Übrigens wollten die Hengstfohlen bisher lieber etwas später kommen so ab dem 334. Tag, während die Stutfohlen schon ab dem 225. Tag ans Licht drängelten.

Einstreu zum Auswechseln der nassen Spreu liegt bereit. Zur Aufnahme des Fruchtwassers ist ein Sack Sägespäne hilfreich.

 

An den eingefallenen Stellen neben der Kruppe drücken immer wieder die Vorderbeine des Fohlens nach oben – man kann die Hufe von aussen spüren. Das Fohlen hatte sich am Nachmittag gedreht.

Der Bauch der Mutter ist nach unten abgesunken und steht seitlich keilförmig nach aussen.. Kopf und Vorderbeine des Fohlens wurden nach vorne ausgestreckt und liegt mit den Hufen voran in Warteposition.

Es ist 20.00 Uhr und Pearl hat ungewöhnlich kleine Mistäpfel abgesetz, ein Zeichen für den sich weitenden Geburtskanal.

 

Sie ist unruhig, scharrt und ist unschlüssig ob sie liegen oder stehen will. Das Fohlen lag bisher auf dem Rücken. Mit dem Beginn der Öffnungswehen dreht es sich nochmals in Seitenlage. Der Muttermund ist weit, die Wasserblase wird sichtbar. Dann tritt das Fruchtwasser aus – bis zu 60 Litern ergiessen sich ins reichliche Stroh. Ein süsslicher Geruch macht sich breit.

Austreibungswehen durchziehen den Körper der jungen Stute, der Kopf senkt sich, der Atem kommt stossweise und wird kurz, dann beginnt sie zu pressen.

Schon erkennt man die von zottigem weichen Hornsaum umgebenen Hufspitzen durch die Wand der Schleimblase.  Pearl liegt(und wir passen auf, dass sie nicht mit dem Hintern zu dicht an der Boxenwand liegt).

Dann geht alles schnell. In der Austreibungsphase schieben die Presswehen innerhalb von 5 – 20 Minuten das Fohlen heraus. Pearl presst kräftiger. Das pechschwarze Köpfchen des Fohlens erscheint.

Nun ist der Einsatz von Helfern angesagt. Vorsichtig wird die Eihaut am Kopf des Fohlens geöffnet und die Fruchthülle und etwas Schleim werden aus der Nase und dem Mundspalt gestrichen.

 

Wenn das junge Leben nach mehreren Pressversuchen nicht weiter rauskommt kann man im Wehenrhytmus leicht an den Vorderläufen Richtung Euter mitziehen, erst 45° dann 90 °. Ist dann der Schulterbereich des Fohlens ausgetreten, rutscht der Rest einfach nach.

 

Wichtig ist die Nabelschnur so lange wie möglich noch dran zu lassen. An der Pulsation im Nabel ist zu erkennen ob noch aktiv von der Stute zum Fohlen hin Blut gepumpt wird. Zur Überprüfung wird der Nabelstrang zwischen zwei Finger genommen und ganz leicht komprimiert. Da das Fohlen hierdurch noch bis zu ½  Liter lebenswichtige Blutinfusion mit allen Abwehrstoffen der Mutter geliefert bekommt, sollte man den Abriss nicht forcieren.

Ca. 5-7 cm vom Fohlenbauch ist die zarte Soll-Bruchstelle der Nabelschnur, welche nur etwas nachbluten sollte. Hier muss dann sogleich desinfiziert werden. So lange das Fohlen noch liegt kann man dies mit einem Tupfer und etwas EM oder Braunol mehrfach wiederholen und ggf. Nachblutungen durch Anpressen eines in EM getränkten Tupfers stillen.

Läuft bei der Nachgeburt viel Blut aus der gerissenen Nabelschnur, so kann diese Stellen leicht durch einknoten mit ein paar Schweifhaaren der Stute gestoppt werden.

 

 

 

 

Pearl liegt auf der Seite, wirkt abwesend und ist ofensichtlich erschöpft. Die einsetzenden Nachwehen, anfänglich in ihrer Wirkung noch stark, verebben langsam und bewirken nun eine verstärkte Ablösung der Nachgeburt.

Mit einem weichen Lappen werden die Nasenlöcher, Ohren und Gesicht des Fohlens abgewischt. Lebenskräftige Fohlen schütteln nach wenigen Minuten den Kopf und halten ihn bereits aufrecht. Bild 13 Die anfänglich etwas unregelmässigen Atembewegungen werden zusehens rhythmischer und tiefer was man am Heben und Senken des Brustkorbes erkennen kann.

Flüssigkeit läuft aus dem kleinen Mäulchen und Nase. Die Atemwege sind frei.

Jetzt sind wieder die Helfer gefragt. Das Fohlen muss nun trockengerubbelt werden. Das bringt den Kreislauf in Schwung und zwar von beiden! Es ist ein Stutfohlen und sehr energisch.

Wie gewünscht ist alles dran, gerade gewachsen und pechschwarz.

Die Freude über den Neuankömmling ist gross und sowohl das Stütchen als auch die Mutter werden natürlich ausgiebigst gelobt. Es ist der erster Kontakt zum Schützling und das gibt Bindung für die Zukunft!

 

Nachdem die Stute nach einer kurzen Erschöpfungsphase wieder ansprechbar ist, ziehen wir das Fohlen vorsichtig an Ihren Kopf damit sie es beschnuppern und belecken kann. Willkommen kleine Dark Pearl! Die frisch gebackene Mama wiehert leise in tiefster Tonlage fängt an die Hornlappen an den Fohlenschuhen abzuknabbern und die Schleimrestchen aus Nüstern und Maul abzulecken. Dark Pearl gefällt da gar nicht, sie schüttelt unwillig den Kopf, dabei tropft wie gewollt die rechtliche Flüssigkeit aus den Nasenlöchern.

Beim ersten Fohlen ist oft ein begeistertes zu heftiges Beknabbern und eher Zwicken wie Trockenlecken durch die Mütter zu beobachten. Hier hilft ein korrigierendes leichtes Abwehren des Helfers.

 

Als nächstes muss nun die Nässe aus dem Stall gebracht werden. Entweder dick drüberstreuen oder besser noch um Mutter und Kind herum ausräumen, Desinfektionsmittel am Boden ausbringen (hier eignet sich bestens Plocher Rotteförderung / EM oder Fluidhysan (was desinfiziert und gleichzeitig den süsslichen Fruchtwassergeruch nimmt) und dick neu einstreuen. Das Fohlen sollte bei den Versuchen aufzustehen sich nicht am harten Betonboden die feine Haut aufreiben, das kann zu gefährlichen Infektionen in den ersten Tagen führen.

 

Nun hat die junge Mama riesigen Durst den Sie mit mindestens 2 Eimern warmen Wasser (mit EM oder einem Spurenelemente-Drink wie z.B. Plocher Ergänzungsfuttermittel) stillt. Auch geeignete Tees  - wenn Ihr Pferd das bereits kennt – sind empfehlenswert.

 

Bleiben Sie auf jeden Fall dabei bis die Nachgeburt abgegangen ist und behalten Sie die Zeit im Auge!

Das ist lebenswichtig für Ihre Stute und das Fohlen!

Normal ist ein selbstlösender Abgang  10 – 120 Minuten nach der Geburt.

Knoten Sie die Eihülle immer wieder nach oben, damit die Stute nicht drauftritt! Das kann innere Verletzungen an der Gebärmutter verursachen.

Nach spätestens 45 Minuten wird alle Aufmerksamkeit der Nachgeburt geschenkt. Wir haben beste Erfahrungen die um die Hand gewickelte Eihaut mit sehr gefühlvollem leichten Zug nach unten – wie wenn ein schwerer Stein nach unten zieht – den Wehen folgend herauszuziehen. Es darf nichts reissen und bitte keine ruckartigen Bewegungen machen..

Sollte die Nachgeburt nach 1,5 Std. immer noch hängen, sollte der Tierarzt zur Hilfe geholt werden. Ab der 3. Stunde sollte der Hänger für einen Transport in die Klinik parat sein. Nach 6 Stunden ist die Fäulnis in der Gebärmutter soweit fortgeschritten, dass die Zerfallsprodukte die sich in der Gebärmutter aus infizierten Nachgeburtsteilen oder Lochialsekret bilden, in die Blutbahn eindringen und sich blitzartig im Kreislaufsystem verbreiten.

 

Bei Pearl läuft jedoch alles optimal, um 20 Uhr 30 geht die Nachgeburt ohne Hilfe ab. Die Helfer legen Sie vor der Box ab und kontrollieren minutiös die Komplettheit.

Wichtig ist, dass beide Hornspitzen des Fohlensackes vorhanden sind. Sie stellen zwei blind endende Säckchen dar. Durch Einfüllen von Wasser kann die Geschlossenheit kontrolliert werden. Das Verbleiben kleinster Reste der Fruchthüllen in der Gebärmutter kann zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, wie z.B. auch die gefürchtete Geburtsrehe. Auch die Austrittstelle des Fohlens muss ohne Gewebeverlust darstellbar sein.

 

Um den Kreislauf des Fohlens zu stabilisieren ist das Stehen auf den eigenen Füssen wichtig.

Schon 10 Minuten nach der Geburt versucht das kleine Wesen mit enormer Kraft auf die Beine zu kommen. Ich frag mich immer wieder warum wir Zweibeiner dazu über ein Jahr brauchen!

Ein etwas längeres, gefaltetes Handtuch wird unter der Brust (Achtung Nabelbereich freilassen) von Dark Pearl durchgezogen, die Beine sortiert, Vorderläufe aufgestellt und der Helfer stellt sich hinter das Fohlen. Um ein Wegrutschen der Hinterhand zu verhindern begrenzt man mit dem Fuß die dicht am Körper anliegenden Hinterhufe und zieht das Fohlen so unter begeisterter Anfeuerung nach oben. Dann hält man das wackelnde Etwas in Balance bis es selber steht und lässt dann langsam das Tuch durchgleiten.

 

Wir beobachten weiterhin Pearls abklingende Wehen und stellen sicher, dass die Mutter Dark Pearl auch wirklich ans Euter lässt. Dieses ist nun so prall gefüllt, dass es die Stute schmerzt und es kann zu Abwehrreaktionen kommen.

Pearl wollte, und wollte doch wieder nicht. Die Kleine nuggelte alles schwarze in Ihrer Umgebung an und überzeugte Pearl schliesslich aufzustehen. Sie läuft hin und her und schiebt ihre Tochter vor sich her aber nicht in Richtung Euter.

Anhängen, beruhigen, ablenken; mit einem Möhrenangebot und warmen Wasser mit EM haben wir Pearl schnell überzeugt still zu stehen und ein Helfer schiebt das Fohlen vor sich her Richtung Euter. Die beste Position ist im Winkel von 45 ° zur Mutter.

Nach längerem Üben hat Dark Pearl endlich die hintere Zitze erwischt und nimmt ihren ersten kräftigen Schluck Milch. Wir warten den zweiten selbständigen Saugversuch noch ab, dann geht meist auch schon das Fohlenpech in mehreren kleinen Klösschen ab und das Glück ist perfekt!

Jetzt haben sich alle die Nachtruhe verdient!

 

Eine erfolgreiche Fohlenaufzucht wünscht Ihnen Dark Pearl und das Friesenpferde Blog Team

 

Friesengestüt Black Pearl

www.friesen-black-pearl.de